Der Golf-Berater

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... für Golfer, Golfanlagenbetreiber und Clubvorstände.

Freitag, 23. Dezember 2016

Was ist eigentlich ein guter Golfplatz?


De Zalze Golf Club, Stellenbosch, Südafrika
Immer wieder stellt sich (nicht nur mir) die Frage: was ist eigentlich ein guter Golfplatz? Die kurze Antwort lautet: einer, auf dem es Spaß macht zu spielen! Aber was macht den Spaß aus?

Ich war auf Kurzplätzen mit Bahnen, die kaum länger als 100 Meter waren und ich hatte Spaß. Oder auf PGA-Tour Meisterschaftsplätzen - lang und schwer zu spielen - und ich hatte Spaß. Plätze im Wald und ohne Bäume, mit viel und wenig Wasser, am Meer, in den Bergen, im Flachland, hügelig, bergig und flach, mit breiten und schmalen Fairways, großen und kleinen Grüns. Ob Links, Parkland, Heide oder Wald; auf jeder Art von Golfplatz hatte ich schon Spaß - oder eben auch nicht.


Pinnacle Point Golf Club, Mossel Bay, Südafrika
Also was macht den Unterschied aus? Woran liegt es, dass man auf dem einen Platz mit großer Freude spielt und von dem anderen mit ebenso großer Freude wieder schnell wegfährt? Mal abgesehen von den individuellen, subjektiven Faktoren, wie Spielstärke/Trainingszustand, Gesundheit, Gemüt und Wohlbefinden, sowie den jeweiligen Wetterverhältnissen, die natürlich das Golferlebnis sehr maßgeblich mit beeinflussen, gibt es eine Reihe von objektiven Faktoren, mit denen sich Betreiber und Planer von Golfanlagen auseinander setzen (sollten).
The Carrick Golf Course, Loch Lomond, Schottland

So denken die Architekten


Golfarchitekten beachten folgende Faktoren bei Ihrer Planung von Golfplätzen:
  1. Sicherheit (für Spieler und Anlieger)
  2. Flexibilität (Unterschiede in der Platzlänge, um die Fähigkeiten aller Golfer zu berücksichtigen)
  3. Shot Value (Vielfalt, Wert und Wertigkeit der geforderten Schläge im Verhältnis zu ihrer Länge und zur Größe der Zielfläche)
  4. Fairness (Schwere und Lage der Hindernisse, Risiko und Belohnung bei Golfschlägen)
  5. Spielbahnfolge (Folge der Löcher und ihre Shot Values)
  6. Spielfluss (der gesamte Verkehr auf dem Golfplatz)
  7. Balance (ausgewogene Verteilung der Pars, Shot Value und Steigerungen in der Golfrunde)
  8. Pflegekosten (Langzeitprobleme, langfristige Kosten, Problembereiche oder Beschränkungen, Kosten-Nutzen-Überlegungen)
  9. Werk- und Ausführungsplanung (veranschlagte Gesamtkosten, Probleme oder Beschränkungen, Kosten-Nutzen-Überlegungen)
  10. Gesichtspunkte der Ästhetik (Erscheinungsbild, Gefühlseindruck, Gesamteindruck eines Golfplatzes)
  11. Turnierqualitäten (für Zähl- oder Lochwettspiel, Eignung für Zuschauer)
(Quelle: Hurdzan, Michael: Golfplatz Architektur, Gräfelfing 1999)


Golfclub Hamburg-Walddörfer
Golfspieler und damit Nutzer eines Golfplatzes setzen naturgemäß andere Prioritäten. Sie sehen die Sache aus einem anderen Blickwinkel. Die Ausführungsplanung und die Kostenstrukturen sind für sie zweitrangig. Sicherheit und Spielfluss setzen sie voraus.

Als Golfer bzw. Konsument wünsche ich mir folgende Punkte von einem Golfplatz:

Naturerlebnis


Golf ist kein Hallensport. Beim Golfen möchte ich die Natur erleben. Dazu gehören offene Blicke in die Landschaft (z. B. von erhöhten Abschlägen oder Grüns) und eine abwechslungsreiche Flora und Fauna. Allzu viele Blumenbeete, strikt gestutzte Hecken und Bäume wirken auf mich unnatürlich. Abseits der Spielbahnen kann es für meinen Geschmack ruhig ein bisschen wilder sein.

Duke's Course St. Andrews, Schottland
Dabei ist mir bewusst, dass das Naturerlebnis relativ ist. Ein manikürter Parkland Course kann, wenn er mitten in einer Großstadt angelegt ist, durchaus ein angemessenes Naturerlebnis bieten. Liegt der Platz dagegen in einem Waldgebiet oder auf freier Fläche, wäre mir zu viel Parklandschaft eher unangenehm.

Variabilität und Erinnerungswert


Mir gefallen abwechslungsreiche Golfplätze, bei denen ich möglichst viele meiner 14 Schläger einsetzen kann (oder muss). Ich möchte am Abschlag von Par 4 und Par 5 Bahnen hauptsächlich mit dem Driver abspielen können. Die Landezonen sollten daher in der Regel breit genug sein. Aber eben nicht an jedem Loch. Ab und zu nachdenken zu müssen und dann eben doch mal mit einem kleinen Holz oder Eisen abzuschlagen macht Spielfreude. Wenn die Par 3's immer die gleiche bzw. ähnliche Längen haben, finde ich das langweilig.

Wenn ich mich an viele Golfbahnen eines Platzes gut wieder erinnern kann, ist das für mich ein Zeichen für einen guten Golfplatz. Durch große Abwechslung, spektakuläre Blicke und ungewöhnliche Elemente, wie z. B. große Felsen im Bunker à la Karl Grohs (Bahn 4 in Bitburg) kann man den Wiedererkennungswert erhöhen. Ich frage mich auch, warum so wenige Clubs ihren Golfbahnen Namen geben. Man kann sich doch besser an das "Loch Näss" oder das "Hundebein" erinnern als an Bahn 3 oder 14.

La Manga (Nord), Murcia, Spanien

Fairness und Übersicht


Ich mag es, wenn gute Schläge belohnt und nur schlechte Schläge bestraft werden. Hindernisse mitten in der Drivezone sind unfair. Ein quer zur Bahn verlaufender Graben, in dem man mit einem langen, geraden Drive landet, ist auch nicht nett. Aber auch wenn die Abschläge aus der Richtung gesteckt werden oder Roughs so dick und fett sind, dass der Ball immer verloren ist, wenn er nur ein paar Meter aus der Richtung geschlagen wurde, ist das nicht fair.

Auf einem "guten" Golfplatz verliert man selten die Übersicht. Ich mag erhöhte Abschläge, auf denen man alles gut sehen kann, was man vor sich hat. Idealerweise ist eine Spielbahn fairer als sie aussieht. Durch optisch geschickt angeordnete, versetzte Bunker erreicht Robert Trent Jones jun. oft diesen Eindruck auf den von ihm gestalteten Plätzen. "Hard Par - easy Bogey" ist ein gutes Motto für Golfplatz-Designer.

Thrill (Nervenkitzel)
Aphrodite Hills Golf, Kouklia-Pafos-Zypern


Solange es fair und machbar bleibt, habe ich nichts gegen Golfplätze, bei denen die ein oder andere Spielbahn auch mal "bestrafend" (penal) designed ist. Im Gegenteil, der Nervenkitzel z. B. bei einem kurzen Schlag über Wasser zum Grün macht mir Spaß. Berühmtes Beispiel: Bahn 17 im TPC Sawgrass - weniger berühmt: die 16 in Braunfels. Nur ein Pitching-Wedge bis zum Grün, aber wenn man ihn schlecht trifft, dann landet der Ball im Wasser. Manch einer braucht auch mal so einen "kick".

Ideal sind natürlich strategisch gestaltete Löcher, bei denen man sich aussuchen kann, ob man den gewagten Schlag über die Hindernisse spielt oder ob man eben lieber den (etwas längeren) Weg drumherum wählt. Mit gefällt es, wenn ich oben auf einem Abschlag stehe und überlegen muss, ob ich etwas riskieren oder lieber auf Nummer sicher gehen soll. Schön sind auch Bahnen, bei denen die Scratch-Golfer von weiß heroisch über die Schlucht abschlagen müssen, während der Bogey-Golfer von einem zur Seite versetzten Tee den Ball gemütlich ins Spiel bringen kann.

Platzpflege


Real Club de Golf Valderrama, Sotogrande, Spanien
Das beste Design verblasst, wenn der Golfplatz nicht gut gepflegt ist. Ich freue mich über treue, schnelle Grüns und liebevoll gepflegte Abschläge, Bunker und Fairways. Das ist sogar meistens noch wichtiger als gutes Design, kann es doch über so manchen kleinen Planungsfehler hinwegtäuschen. Daher grüße ich jeden Greenkeeper auf dem Platz und habe großes Verständnis und Hochachtung für deren Arbeit. Wenn der Platz erstmal gebaut ist, muss man in der Regel damit leben. Eine gute Pflege aber ist das i-Tüpfelchen. Nur ein gepflegter Golfplatz macht richtig Spaß.







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